Freitag, 2. September 2016

REZENSION: "Digby #01" (Stephanie Tromly)

Copyright Oetinger


Titel: Dighby #01 
Autor: Stephanie Tromly
Genre: Jugendroman / Thriller
Verlag: Oetinger Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Gebundene Ausgabe (14,99 €)
Seiten: 368
ISBN: 978-3-7891-4809-5



Inhalt

Als Neue in der Stadt kennt Zoe noch niemanden - bis sich Digby an ihre Fersen heftet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine merkwürdige Freundschaft, von der Zoe noch nicht einmal weiß, ob sie sie haben will. Denn seit sie Digby kennt, gerät sie von einer heiklen Situation in die nächste. Einrüche und Treffen mit Drogendealern werden zur Tagesordnung, und das alles nur, weil Digby es sich in den Kopf gesetzt hat, das Verschwinden der Highschool-Schülerin Marina aufzuklären - und vielleicht auch das seiner Schwester. Auch wenn Zoe nicht begeistert davon ist, dass sie nun permanent in Schwierigkeiten steckt, kann sie doch nicht leugnen, dass sie Gefallen an dem Nervenkitzel findet.

Cover

Die Fotoserie auf dem Cover finde ich ziemlich cool und jugendlich. Die Models haben die Charakterstiken von Zoe und Digby und ihr Verhältnis zueinander ziemlich gut eingefangen 


Meine Meinung

Der Roman beginnt wie wahrscheinlich ein Drittel aller Jugendromane: neue Stadt, neue Leute - kurz: ein Neuanfang. In diesem Fall jedoch einer, der sich ziemlich schwierig gestaltet. Zoe findet keinen Anschluss und wird sofort von der In-Clique angezickt. Es klingt wie das typische High School-Drama - aber das ist es ganz und gar nicht. Das hat man vor allem Digby zu verdanken. Digby, der unglaublich clever, aber wahnsinnig und abgedreht ist. Und hartnäckig. Sowohl dahingehend, dass er sich nicht von Zoe abschütteln lässt, als auch in Bezug auf das Verschwinden seiner kleinen Schwester vor mehreren Jahren. Als erneut ein Mädchen aus der Stadt verschwindet, sieht er sofort eine Verbindung und nimmt die Spur auf. Dabei zieht er Zoe mit in seine Mission herein, wodurch die Geschichte viel spannender wird. Nicht nur Digbys Kombinationsgabe und sein Einfallsreichtum, sondern auch sein selbstbewusstes Auftreten waren gleichermaßen bewunderswert wie faszinierend. Manchmal hatte ich das Gefühl, es eher mit einem Erwachsenen zu tun zu haben, als mit einem Jugendlichen. Gleichzeitig war sein Verhalten für mich aber auch  sehr unterhaltsam. Im Prinzip hatte ich Dank ihm ein Dauergrinsen im Gesicht. Wahrscheinlich, weil ich als unbeteiligte Beobachterin nicht von seinen Unverfrorenheiten selbst betroffen war. Einen realen Digby hingegen stelle ich mir eher anstrengend vor. Deswegen kann ich auch sehr gut nachvollziehen, warum Zoe und Henry öfter am Rande der Verzweiflung waren.
Während Digby mich also sofort in den Bann gezogen hat, ist Zoe eine weniger präsente Persönlichkeit, auch wenn sie die Protagonistin ist. Man erfährt anfangs nur wenig Persönliches über sie, weil sich ihre Ausführungen hauptsächlich um Digby oder ihre Mutter drehen. Wahrscheinlich hatte ich deshalb Probleme, mit ihr warm zu werden. Da Digby aber ein sehr direkter und ziemlich unverfrorener Mensch ist, kann sich durch seine Augen ein Bild von ihr machen. Erstens schnüffelt er in ihrem Zimmer herum und liest ihr Tagebuch (während sie anwesend ist) und zweitens sagt er ihr immer ziemlich ungefiltert, was er von ihr hält bzw. wie er sie wahrnimmt. Mal ganz ehrlich: Ich hätte den Typen wahrscheinlich achtkantig rausgeworfen und ihn entweder angeschrien oder mit Nichtachtung gestraft. Zoe tut jedoch keins von beidem. Sie protestiert zwar, aber sie unternimmt nicht konsequent etwas dagegen. Und das ist einer ihrer charakterlichen Vorzüge, denn es beweist, dass sie in der Lage ist, Digby zu akzeptieren, wie er ist. Wie viele Menschen sind unzufrieden mit einem anderen Menschen und versuchen ihn zu ändern? Und wie oft hat das schon dazu geführt, dass die besten Beziehungen auseinanderreißen? Und eben weil weder sie noch er das tun, ist ihre Freundschaft etwas Außergewöhnliches und Wertvolles. Ich persönlich beneide sie sogar ein wenig um das, was sie haben.
Das dynamische Duo erhält Verstärkung durch Henry, der im Gegensatz zu den anderen beiden kein Außenseiter ist, sondern ein umschwärmter Footballer. Ich musste erstmal die Stirn deswegen runzeln, weil er so gar nicht ins Bild passte. Aber die Mischung funktioniert. Vorurteilen zum Trotz ist Henry nämlich weder blöd, noch eitel oder arrogant. Vielleicht ein bisschen oberflächlich, was seinen Mädchengeschmack betrifft, aber das kann man gut verkraften. Mich wundert es jedenfalls nicht, dass sich Zoe ein wenig in ihn verguckt. Momentan ist aber noch nicht klar, ob sich etwas zwischen den beiden entwickeln wird, denn a) ist Henry bereits vergeben und b) ist Zoe "nicht sein Typ", worauf Digby sie (netterweise) immer schonungslos hinweist. Daran habe ich aber zum Teil meine Zweifel...
Insgesamt bin ich also von allen drei Hauptpersonen mehr als begeistert. Vor allem aber mochte ich, dass es eigentlich selten ruhige Phasen in der Handlung gab, weil kontinuierlich etwas passiert ist. Durch die 'Ermittlungen' schlittern die drei in eine makabere Situation nach der nächsten, was zur Dynamik der Geschichte beiträgt. Was mir jedoch nicht ganz gefallen hat, war die Auflösung der mysteriösen Vorgänge an sich. Irgendwie hatte ich da mehr erwartet. Auch wenn der Roman mit einem Knall endet - in doppelter Hinsicht - so hatte ich doch das Gefühl, vor mehr Rätseln zu stehen als noch zu Beginn der Story. Digby und seine Mission bleiben vorerst ein Mysterium, was mich einerseits unbefriedigt zurücklässt, andererseits aber extrem neugierig macht. Und nun will ich auf jeden Fall wissen, wie es weitergeht. In der Beziehung hat Tromly's Ende seine Wirkung also nicht verfehlt.

Fazit

Digby #01 ist die perfekte Kombination aus Krimi- und Jugendroman. Er ist spannend und turbulent, durch die Konstellation der drei Hauptfiguren (der außergewöhnliche Digby, die introvertierte Zoe und Augenschmauß Henry) abwechslungsreich und unterhaltsam uns lässt dabei dennoch noch Platz ffür ein wenig Romantik, ohne zu seicht zu werden. Was will ich mehr?



2 Kommentare:

Lena Müller hat gesagt…

Hey ;)
Das Buch habe ich auch schon die ganze Zeit im Auge, das Cover gefällt mir nicht ganz so. Daher aber der Klappentext umso mehr.
Schön, dass es dir so gut gefallen hat.

Liebe Grüße,
Lena

Katharina P. hat gesagt…

Huhu Lena,
dann hoff ich mal, dass du irgendwann die Zeit, das Geld und die Lust hast, es zu lesen. Für mich persönlich hat es sich wirklich gelohnt. Vor allem, weil Digby eben kein 08/15-Charakter ist. Ich hoffe, es gibt bald eine Fortsetzung ;)
Liebe Grüße,
Katha

Kommentar veröffentlichen