Sonntag, 14. Mai 2017

REZENSION: "Our Song" (dt. "Der Klang deines Lächelns") (Dani Atkins)

Copyright Simon & Schuster UK


Titel: Our Song
Autor: Dani Atkins
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Simon & Schuster UK
Erscheinungsjahr: 2016
Format:  Taschenbuch (7,79 €)
Seiten: 400
ISBN: 978-1-4711-5329-7

Ein eisiger Wintertag wird für Ally und Charlotte zu einer emotionalen und mentalen Zerreißprobe, als ihre beiden Männer ins Krankenhaus eingeliefert werden. Von Schmerzen erfüllt eilen sie ins Krankenhaus, wo sie im Wartezimmer aufeinandertreffen. Doch statt einander in diesen schweren Stunden Halt geben zu können, herrscht eine eisige Stimmung zwischen den beiden, denn die jungen Frauen kennen sich. Das letzte Mal haben sie sich vor sieben Jahren gesehen und sind damals nicht im Guten auseinandergegangen. Die Erinnerungen an das, was damals passiert ist, holen sie wieder ein und reißen Wunden auf, von denen sie glaubten, sie wären verheilt. 
Während ihre Männer David und Joe auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen, sind Ally und Charlotte gezwungen, die Wartezeit miteinander zu verbringen - und sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Ich persönlich präferiere das Originalcover gegenüber der deutschen Variante. Es ist wazr auch nicht herausragend, aber mir gefällt der Blauton deutlich besser und die Lichterkette als verspieltes Detail.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mich der Beginn des Romans nicht wirklich begeistert hat. Das lag weniger an dem Geschehen, sondern vielmehr an der Tatsache, dass die im Prolog agierenden Personen anonym sind, somit immer nur von "the man/dem Mann" bzw. "him/ihm" die Rede ist. Das mag ich nur in äußerst wenigen Fällen - hier jedenfalls nicht. Zu meiner großen Erleichterung wurde diese Erzählweise nicht beibehalten (wäre auch sehr merkwürdig). Nicht nur wird "aufgelöst", wer die beiden Männer sind, sondern der Schwerpunkt wird außerdem auf die beiden eigentlichen Protagonistinnen verlagert: Ally und Charlotte, welche durch ihre Liebe zu David miteinander verbunden sind. An die zwei musste ich mich emotional Stück für Stück herantasten - und als mir das schließlich gelungen war, steckte ich in einer Zwickmühle: Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welche von beiden ich lieber mochte. In den meisten Fällen ist es ja so, dass man eine Heldin hat und die "andere Frau" zur Antagonistin stilisiert wird. Dani Atkins legt jedoch beide Perspektiven abwechselnd dar und hat es mir dadurch unmöglich gemacht, Antipathie zu empfinden. Denn auch wenn Charlotte Ally sozusagen den Freund ausgespannt hat, ist sie keineswegs die Böse in der Geschichte, denn die Lage ist etwas komplizierter als sie zunächst den Anschein machte. Es gibt keinen hetfigen Zickenkrieg. Stattdessen gehen sie sehr erwachsen und reif mit dem Konflikt um, wodurch ich Verständnis für beide Parteien entwickeln konnte. Ebensowenig konnte ich David hassen, auch wenn meine Bindung zu ihm nicht so stark war wie zu Charlotte oder Ally. Das liegt wohl auch daran, dass er nicht die Möglichkeit hatte, aus seiner Sicht zu erzählen. Man bekommt lediglich Beschreibungen seiner Persönlichkeit und seines Aussehens, was mir einen direkten Zugang zu ihm verwehrte. Das Bild, das man von ihm erhält, ist das eines freundlichen, attraktiven, rücksichtsvollen reichen jungen Mannes, der versucht, das Richtige zu tun - also keineswegs ein betrügerischer Feigling, wie man vielleicht erwartet hätte. Atkins hat also bewusst auf Stereotype verzichtet, um zu zeigen, dass es in einer Drecksbeziehung drei Perspektiven, drei Wahrheiten gibt, und dass man keine rational-moralischen Maßstäbe ansetzen kann, sobald Liebe im Spiel ist. Das hat mich positiv überrascht.
Ebenfalls muss ich der Autorin zugute halten, dass sie im Plot nicht jedes Klischee bedient und sie der Handlung einige Wendungen gegeben hat. Zwar waren sie nicht allesamt vollkommen unerwartet und überraschend, aber besonders der Schluss war dann doch anders als von mir vermutet.
Allerdings hat sich nach einer Weile dasselbe Problem breitgemacht, das ich schon bei Die Achse meiner Welt hatte: Atkins kann die Spannung nicht ganz aufrecht erhalten. Sie schreibt zwar schön und hat gute Ideen, aber irgendwann kam der Moment, an dem ich das Interesse allmählich verlor. Ich habe das gewisse Extra vermisst, das eine Geschichte unvergesslich macht, wodurch sie einem unter die Haut geht und einem selbst das Herz schmerzt, weil man so mit den Figuren mitleidet. Darüber hinaus fehlten meiner Meinung nach entscheidende Puzzleteile, um ein schönes Gesamtbild zu ergeben. Zum Beispiel war mir Allys und Joes Vorgeschichte nicht ausführlich genug geschildert. Ich hatte permanent das Gefühl, als hätte mir die Autorin die Highlights ihrer Beziehung vorenthalten - aber genau die machen für mich eine wunderbare Liebesgeschichte aus. Außerdem blieb Joe dadurch ein wenig konturenlos.

Trotz einiger guter Ansätze, hat mich Atkins Roman nicht überwältigt. Ich schätze es zwar sehr, dass sie auf Clichés bei der Charaktersierung und beim Handlungsverlauf verzichtet hat, aber der dramatische Spannungsbogen verläuft viel zu flach, als dass er dauerhaftes Interesse bei mir hätte wecken können.Ich vermute, die Geschichte wird sich nicht längerfristig in mein Gedächtnis einbrennen.




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