Dienstag, 25. Juli 2017

DIES & DAS: 2 von 11 - Der ganz normale (Bewerbungs-)Wahnsinn



Es ist mal wieder soweit: Ich bin auf Jobsuche. Seit Anfang Juni. Und es ist frustrierend. Ich finde es erschreckend und traurig, wie viele (nicht alle!) Unternehmen mittlerweile mit Bewerbern und auch ihren Mitarbeitern umgehen. Ich kann ein Lied davon singen. Und heute möchte ich euch einfach mal von meinen Erfahrungen berichten.

Aus vielerlei Gründen musste ich mich mal wieder auf Jobsuche begeben (wenn ich es irgendwann schaffe, einen neutralen Bericht dazu zu verfassen, kläre ich euch diesbezüglich auf jeden Fall auf). Mehrere Faktoren machen mir persönlich die Jobsuche besonders schwer:

  • Ich habe nichts Spezifisches gelernt - kann mit meinem BA Germanistik theoretisch ALLES machen. Praktisch nichts.
  • Jobs für kreative Köpfe sind in Leipzig rar gesät.
  • Content Manager / Texter / Onlineredakteure (in diesen Bereichen habe ich mich bisher verdingt) werden bevorzugt als Freiberufler "eingestellt". So ganz ohne Vorarbeit und finanzielle Absicherung kommt das für mich aber (noch) nicht infrage.
  • Allzu gerne suchen Unternehmen die eierlegende Wollmichsau - sprich, am besten einen jungen Professional mit Master-Abschluss oder Staatsexamen in Medienwissenschaften, Wirtschaft, Geisteswissenschaften etc. (besser noch: eine Kombination aus allem), umfangreichen IT-Kenntnissen, Erfahrung im klassischen und Online-Marketing, 3 bis 5-jähriger Berufserfahrung und und und...
  • Als oben genannter Professional soll man dann natürlich bereit sein, 40+ Stunden in der Woche zu arbeiten, flexibel zur Verfügung zu stehen und selbstverständlich hat man mit dem Mindestlohn zufrieden zu sein. Gibt's dann noch Urlaubsgeld, hat man sich glücklich zu schätzen!
Ich könnte ewig so weiter machen. Letztlich habe ich seit Anfang Juni Tag um Tag das Internet umgegraben - gesucht, gesucht, gesucht. Herausgekommen sind dabei satte 11 Bewerbungen. In gut anderthalb Monaten. Eine nüchterne Bilanz, ich weiß. Aber mehr war einfach nicht zu holen. Und wollt ihr mal raten, wie viele Unternehmen überhaupt auf meine Anschreiben reagiert haben?

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Die erste Firma, ein deutschlandweit agierendes Unternehmen und Marktführer auf seinem Gebiet, antwortete mir bereits wenige Tage nach meiner Bewerbung und lud mich zum Vorstellungsgespräch ein. Optimistisch machte ich mich bald darauf auf den Weg und fand mich, unerwarteterweise, in einer großen Vorstellungsrunde mit circa 10 Bewerbern wieder. Die sich allerdings alle auf eine andere Position beworben hatten als ich. Ich war also vorsichtig optimistisch und auch die beiden Damen, die die Runde leiteten, machten auf mich einen guten und professionellen Eindruck. Nachdem jeder der Bewerber einen kurzen Abriss zu seinem bisherigen Werdegang gegeben hatte, wurden wir unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens zugeordnet, in die wir kurz reinschnuppern sollten. Ich wurde dem Abteilungsleiter vorgestellt und dann kam der Knaller: Er starrte die Personalchefin an und sagte "Eine Stelle haben wir hier aber nicht frei.". Sie war ebenso perplex wie ich, schließlich war die Stelle genauso und genau in der Abteilung ausgeschrieben gewesen. Die Personalchefin war etwas ratlos, entschuldigte sich bei mir - und damit war das Vorstellungsgespräch für mich vorzeitig beendet. Ärgerlich, denn ich hatte dafür extra einen Tag Urlaub genommen...
Doch das war es noch nicht. 10 Minuten später klingelte mein Handy. Ich solle doch noch einmal zu einem neuen Termin kommen, sie würden mich sooo gerne einstellen, weil ich ja sooo gut in das Unternehmen passe. Okay, dachte ich, gebe ich denen noch eine Chance. Eine Woche später erschien ich dort erneut. Zu meiner Überraschung wurde ich nun wieder einem anderen Verantwortlichen vorgestellt, der jedoch kein Gespräch mit mir führte, sondern mich direkt zu einer Angestellten setzte. Diese erklärte mir anschließend 30 Minuten lang den Job. Danach kam der Typ vom Anfang wieder auf mich zu, sagte, es spräche nichts gegen mich, wann man mich einstellen könne, wüsste er jedoch noch nicht. Sie würden sich bei mir melden. Das war vor über einem Monat und ganz ehrlich: In einem Unternehmen, in dem die interne Kommunikation anscheinend schleppend bis gar nicht funktioniert, sehe ich mich eher nicht.

Beim zweiten Unternehmen, das sich einige Zeit später bei mir meldete, lief es deutlich besser. Das Vorstellungsgespräch war das professionellste, das ich in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn geführt habe und das Unternehmen, die Chefs sowie die Arbeit an sich machten einen sehr guten Eindruck auf mich. Ich war ziemlich nervös (wie gesagt: Meine bisherigen Vorstellungsgespräche in eher kleinen, teilweise branchenfremden und Familienunternehmen kann man getrost unter Bovist verbuchen), legte mich aber ziemlich ins Zeug, denn mein Ehrgeiz war hier geweckt! Tatsächlich konnte ich im zweiten Gespräch mit anschließender Arbeitsprobe punkten und habe mittlerweile eine Zusage erhalten. Für mich steht fest: Das ist ein unglaublicher Glücksfall!

Denn die Zahl "2" blieb bisher bestehen. Kein weiteres Unternehmen hat auf meine Bewerbung reagiert. Übrigens ist das keine 0815-Bewerbung in Times New Roman 12, sondern eine sprachlich anspruchsvolle (ich bewerbe mich schließlich als Texter/Redakteur) und grafisch aufgemotzte, bei der mir mein Freund mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Genau die stach den Chefs in Unternehmen Nr 2 ins Auge - und weckte deren Interesse an mir. Natürlich weiß ich, dass moderne Bewerbungen Geschmackssache sind. Ich weiß auch, dass Unternehmen sich oftmals mit einer regelrechten Bewerberflut konfrontiert sehen und dieser erst einmal Herr werden müssen. Dass es daher einige Tage und vielleicht auch Wochen dauern kann, bis man als Bewerber eine Rückmeldung erhält - völlig klar und verständlich. Aber: Nach Monaten des Stillschweigens reißt bei mir der Geduldsfaden. Dass viele Unternehmen mittlerweile gar nicht mehr auf Bewerbungen reagieren (übrigens: ich spreche hier nicht von Initiativbewerbungen - alle Stellen waren ausgeschrieben), finde ich respektlos und unprofessionell gegenüber der Person, die sich die Mühe macht, eine ordentliche und ansprechende Bewerbung zu schreiben und sich mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen. Mir sagt das vor allem eines: Zahlreiche Firmen sehen in Bewerbern ausschließlich deren Arbeitskraft, der Mensch dahinter ist irrelevant. Es kann doch nicht so schwer sein, einem Bewerber eine Absage in Form eines vorgefertigten Zweizeilers zu schicken!? Schließlich wartet der am anderen Ende der Leitung, macht sich Hoffnungen und wartet weiter.

Wie gesagt: Ich habe diesmal wirklich Glück gehabt und das Unternehmen gefunden, das zumindest auf den ersten Blick perfekt zu mir passt. Trotzdem stoßen mir meine Erlebnisse mit dem Schreiben von Bewerbungen hin und wieder auf. Ich finde es einfach bedenklich, wie (große und kleine) Firmen mit den Bewerbern und vielleicht auch mit ihren Mitarbeitern (auch davon kann ich ein Lied singen) umgehen. Von einem Arbeitsverhältnis sollten schlussendlich beide Seiten profitieren. Professionelle Arbeit zum Dumping Preis? Das ist leider in vielen Firmen (und vielen Branchen) gängige Praxis und genau dieses Denken spiegelt sich bereits im Umgang mit Bewerbern wieder. Das ist zumindest meine Erfahrung und meine Meinung. Es macht mich traurig und wütend und es demotiviert. Ich möchte arbeiten, ich möchte hervorragende Arbeit leisten und wichtig sein für das Unternehmen - ich möchte aber auch das Gefühl vermittelt bekommen, dass man meine Arbeit schätzt und mich als Menschen wahrnimmt, der sein Herzblut in diese Arbeit steckt. Das ist alles.

Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder steht ihr vielleicht auf der anderen Seite und habt eine ganz andere Meinung zum Thema? Dann verratet es mir gerne :) Demnächst werde ich euch natürlich mehr zum neuen Job verraten und auch ein bisschen dazu, was mich an meiner alten Arbeit gestört hat.

2 Kommentare:

Book Blossom hat gesagt…

Guten Morgen liebe Svenja!

Ach ja das große Problem der Bewerbungen. Ich kenne das! Dabei treffe ich auch immer wieder auf ähnliche Probleme:

- Am besten man sollte alles können, so wenig wie möglich kosten und dann mit 21 auch noch 5 Jahre Berufserfahrung aufweisen. [Wo man die hernimmt, wenn keiner Praktikanten einstellt und man nebenher eigentlich studieren und zig Zertifikate machen soll...tja.]
- Auf Bewerbungen antworten? Ach das wird völlig überbewertet! In den vergangenen Jahren in welchen ich mich für Praktika, Nebenjobs und richtige Jobs beworben habe, kam vielleicht bei einem viertel meiner Bewerbungen eine Antwort zurück. Wieso das so ist, verstehe ich auch überhaupt nicht. Denn wie du schon sagst, es genüge ein einfacher, unpersönlicher Zweizeiler einfach nur damit man weiß, dass man nicht mehr warten muss.

Auch ich könnte diese Liste endloslang weiterführen, was in meinem Alter wirklich schon irgendwie traurig ist. :(

Ich freue mich, dass du es geschafft hast aus deinen zwei Rückmeldungen eine tolle Stelle zu bekommen! :) Viel Freude mit deinem neuen Job und viel Glück für die Zukunft wünsch ich dir. Hoffentlich musst du dich dann so schnell nicht mehr durch diese Bewerbungs-Tortur quälen.

Liebste Grüße
Nina von BookBlossom

Lottasbuecher hat gesagt…

Liebe Svenja,
Ich kann das voll und ganz nachvollziehen, allerdings hatte ich hier in meiner neuen Stadt und meinem neuen Leben eine sehr andere Erfahrung mit Bwerbungen. Ich bin gelernte Ergotherapeutin und gelernte Buchhändlerin. Als ich umgezogen bin, habe ich viele Jobangebote vom Amt bekommen und fast alles waren Stellen für Ergotherapie. Eigentlich wollte ich im Buchhandel bleiben, aber ich wollte auch arbeiten, also habe ich mich auf die Stellen beworben und musste feststellen, dass es momentan anscheinend einen riesigen Mängel an Therapeuten gibt. Händeringend würde gesucht und genauso sind die Gespräche dann auch verlaufen. Es war eigentlich egal was ich konnte, wichtig war, dass ich Therapeutin bin und alle wollten sie mich haben.
Schon ein komisches Gefühl, aber es war auch schön, sich seine Stelle frei aussuchen zu können. Jetzt habe ich eine Stelle in einer Praxis angenommen, die mir sehr sympathisch war und wo auch sonst alles zu passen schien. Ich hoffe, dass ich mich damit nicht getäuscht habe. Ab dem 16. werde ich dort dann arbeiten.

Liebst, Lotta

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