Mittwoch, 9. August 2017

DIES & DAS: Dobby ist jetzt ein freier Elf - Warum es wichtig ist, sich zu befreien



Ich habe ja in meinem letzten Post zum Thema Bewerbungen (*klick*) bereits angedeutet, dass ich beruflich mal wieder neue Wege einschlage und dass das vor allem mit meinen Erfahrungen in meiner ehemaligen Arbeitsstätte zusammenhängt. Jetzt will ich mir genau diese einfach mal von der Seele schreiben und auch erzählen, worauf ich mich im neuen Job freue. 

Dobby ist frei - als Potterhead benutze ich diesen Satz natürlich mit Vorliebe, wenn ich eigentlich meine: Die Fesseln meiner alten Arbeitsstelle bin ich endlich los. Es klingt drastisch, vielleicht sogar ein wenig melodramatisch. Aber es ist die Wahrheit. Denn ich hatte mich dort schon lange nicht mehr wohlgefühlt. Starre, unflexible Arbeitszeiten, Texte Schreiben wie am Fließband, keine Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung, kein Mitspracherecht in irgendeiner Hinsicht, völlig unrealistische Vorstellungen und teils Vorgaben der Chefs bis hin zu mangelnder Kompetenz und Unwissenheit dieser, ständige Überwachung und übertriebene Kontrolle der Mitarbeiter und schließlich das Gefühl, einfach nur Mittel zum Zweck zu sein. Die eigene Arbeit wurde weder wertgeschätzt noch überhaupt zur Kenntnis genommen. Die Kompetenz wurde einem von den Chefs teilweise vollkommen abgesprochen. Man solle doch froh sein, dort arbeiten zu dürfen. Einen Job zu haben, bei dem man zwar geistig kaum gefordert wird, aber doch immerhin ein winziges Bisschen mehr verdient als den Mindestlohn. Gehaltserhöhung? Wo denkt man hin, das Geld soll schließlich in der Familie bleiben - so zumindest wurde es den Mitarbeitern suggeriert.

Ich könnte ewig so weiter machen. Es wurde uns ja sogar verboten, unseren Schreibtisch ein wenig zu dekorieren - kein Foto, keine Figur, eigentlich kein Hinweis auf die eigene Existenz. Das würde uns von der Arbeit ablenken. Stattdessen sollte man also 8 einhalb Stunden am Tag auf die weiße Wand direkt vor einem starren und dabei durchgehend voll motiviert so viele Texte schreiben wie irgend möglich. Zum Dumpingpreis natürlich. Und überhaupt wurden wir von Seiten der Chefetage gerne wie Schulkinder behandelt, denen man schon mal auf die Finger hauen muss. Es wird nicht miteinander gesprochen, sonst muss ich euch auseinandersetzen! Alles, was nicht direkt mit der Arbeit zusammenhängt, in die Tasche! Wirklich wahr! Da weiß man doch gar nicht, was man darauf noch sagen soll. In der Firma fehlte schlichtweg das Verständnis für die Arbeit von kreativen Köpfen. Man nahm einfach die veralteten Maßstäbe beziehungsweise die "Regeln", die für körperlich Arbeitende oder Leute im Kundenservice gelten, und richtete alles danach aus. Dass mir als Redakteur und vor allem der Qualität meiner Arbeit eine gewisse Flexibilität und unbedingt die Möglichkeit der freien Entfaltung zupass kämen, wurde schlichtweg übersehen oder eher gänzlich ignoriert. 

Versteht mich nicht falsch: Zeitdruck ist überhaupt nicht mein Problem. Tatsächlich arbeite ich unter Druck sogar noch einen Ticken effektiver, auch wenn er natürlich nicht zur täglichen Routine gehören sollte. Das Problem war eher, dass man mich ständig kontrollieren und mir vorschreiben wollte, wie ich am besten arbeite. Totaler Schwachsinn, denn mein tägliches Soll habe ich immer erfüllt. Gut erfüllt, obwohl meine Texte gegen Ende lange nicht mehr so kreativ und einzigartig waren wie am Anfang. So ist das eben, wenn man textet wie am Fließband und einem das Unternehmen, für welches man das tut, auch noch komplett schnuppe ist. Ich bin bereit, mein Herzblut in eine Sache zu stecken und alles zu geben. Aber nicht für eine Firma, die das weder finanziell noch persönlich honoriert. Unmöglich fand ich es außerdem, dass man bei den Chefs permanent gegen eine Wand redete. So wurden sowohl Vorschläge zur Optimierung der Arbeitsprozesse als auch persönliche Belange der Mitarbeiter nicht ernst genommen und einfach abgetan. Ich hatte einfach das Gefühl, dass man mich nicht als den Profi sah, der ich bin. Eigentlich weiß ich gar nicht so recht, als was man mich überhaupt sah.

Und ganz ehrlich, in einem Familienunternehmen, in dem eigentlich nur das Geld zählt, das sich die obere Etage in die eigene Tasche stecken kann, möchte ich nicht arbeiten. Ich möchte, dass mein Arbeitgeber meine Arbeit und mich als Menschen schätzt, dass er weiß, was ich wert bin. Andersherum möchte ich mich natürlich auch mit dem Unternehmen und der Arbeitsweise identifizieren können und einen höflichen, vielleicht sogar persönlichen, aber vor allem respektvollen Umgang mit meinem Vorgesetzten pflegen. Bei dem es keine Tabuthemen (Gehalt, Probleme bei der Arbeit etc.) gibt. Es muss einfach ein ausgewogenes Vertrauensverhältnis sein, damit ich mich wohlfühle und ich denke auch, damit mein Chef vollumfänglich mit mir und meiner Arbeit zufrieden sein kann.

Nun fiel ich krankheitsbedingt eine Weile aus und danach war die Kacke richtig am Dampfen. Ich möchte und kann hier nicht weiter ins Detail gehen, aber nach allem, was vorgefallen war, hatte ich gedanklich mit diesem Job abgeschlossen. Als selbstständig denkender Mensch war ich sowieso nicht mehr erwünscht und so lief der Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aus. Sehr zu meinem Glück, denn so war ich gezwungen, den Arsch hochzukriegen, und verfiel erst gar nicht wieder in die Lethargie, die einen daran hindert, etwas zu ändern. Trotzdem war dieser ganze Stress auf Arbeit sehr belastend für mich. Er verfolgte mich überallhin und schlug mir mächtig auf den Magen. Wochenlang konnte ich weder richtig essen noch schlafen. Ich konnte mich nicht mal auf ein Buch konzentrieren und hatte lange nicht mal ansatzweise Lust aufs Lesen. Das war ein Alarmsignal für mich, denn in meinem Kopf drehte sich von früh bis spät alles um die Arbeit. Hinzu kamen Zukunftsängste und die Angst davor, niemals die Arbeit zu finden, die mich wirklich fordert, mich ausfüllt und mich glücklich und zufrieden macht. Eine solche Aussicht erschien mir eine Zeit lang utopisch und irgendwie hatte ich das Gefühl, das auch gar nicht zu verdienen. Einfach nur minderwertig zu sein. Und das sind Gefühle, die ich keinem wünsche. Weil sie einen entkräften und völlig zerstören. Es war eine für mich sehr düstere Zeit, die mir einiges abverlangte.

Aber: Ich habe mich aufraffen können - was zum Teil auch der Verdienst meines Freundes ist, der mir unermüdlich gut zuredete, mir Mut machte und auch manchmal laut wurde, wenn ich mal wieder völlig an mir und meinen Fähigkeiten zweifelte. Ich habe das gebraucht, es war wichtig. Er hat mir klar gemacht, dass ich mich auf das verlassen kann und muss, was ich kann. Und das habe ich letztlich getan und nach einer kleinen Bewerbungs-Odyssee einen Job gefunden, der sich nicht nur finanziell endlich mal lohnt, sondern der auch (und das ist mir um einiges wichtiger) in Bezug auf andere Dinge sehr vielversprechend erscheint. Ich werde wieder als Content-Managerin für einen Onlineshop arbeiten und ich werde einen deutlich längeren Arbeitsweg haben. Aber: Schon allein das Arbeitsumfeld wirkt wesentlich offener und freundlicher, als ich es bisher erlebt habe. Die Chefs machen einen kompetenten und professionellen Eindruck und mir wurde bereits angekündigt, dass Eigeninitiative dringend erforderlich und höchst erwünscht ist. Ohne Frage eine Herausforderung für mich, denn in meinem letzten Job war ich wie gesagt nur ein kleines Rädchen im Getriebe, das hirnlose Fließbandarbeit zu machen hatte - nicht mehr, nicht weniger. Aber ich freue mich auf die Herausforderung und bin absolut sicher, dass ich in den neuen Aufgaben aufgehen werde. Ich bin bereit, zu zeigen, was ich kann. Und ich habe endlich wieder Selbstvertrauen und weiß, dass ich überzeugen kann. Ich weiß es einfach und das ist endlich mal ein gutes Gefühl.

Dieser Post ist jetzt deutlich länger und persönlicher geworden, als ich es geplant hatte. Aber das alles musste einfach raus und es auszusprechen, tut gut. Unsere Arbeit macht einen Großteil unseres Alltags aus. 8+ Stunden am Tag verbringen wir im Büro oder sonstwo, haben nicht selten täglich Kontakt mit der Chefetage und richten eigentlich unseren gesamten Alltag nach der Arbeit aus. Deswegen: Wann immer ihr unzufrieden in eurem Job seid, ändert es! Man kann immer etwas tun, auch wenn es nicht gleich der radikale Schritt einer Kündigung ist. Es bringt weder einem selbst noch dem Chef Punkte, wenn man abstumpft und stoisch weitermacht, nur weil man sich mittlerweile daran gewöhnt hat. Die Arbeit leidet darunter, die Psyche leidet darunter und vor allem leidet die Lebensqualität darunter. Auf Dauer kann einen das zermürben und kein Job der Welt ist das wert. Das habe ich gelernt und daran werde ich mich halten. Wenn man weiß, was man kann, dann ist es keineswegs unverschämt, sich Anerkennung dafür zu wünschen. Schließlich sind wir alle etwas wert und das sollte vor allem uns selbst bewusst sein!

1 Kommentare:

An Chan hat gesagt…

Huhu Svenja,

bei der Beschreibung deiner vorherigen Arbeitsstelle musste ich total an meinen vorherigen Arbeitsplatz denken. Das war zwar nur ein 12-Mann-Betrieb, aber der Chef war genauso drauf! Wir durften nichts alleine entscheiden, alles einfach nur zügig und bitte ohne Nachfragen abarbeiten, alles wurde kontrolliert und wehe man brauchte mal kurzfristig einen Tag Urlaub oder wollte gar einen Tag frei, um die Überstunden abzubummeln! Echt furchtbar.
Aber ich habe seit 3 Monaten auch einen neuen Job, in dem alles etwas anders und deutlich besser läuft. Zwar immer noch nicht 100pro mein Traum-Arbeitsplatz, aber doch nahe dran. :)

Ich wünsche dir alles Gute im neuen Job, weniger Stress und dass du dich dort mehr entfalten kannst! <3

LG Alica

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