Sonntag, 19. November 2017

REZENSION: "Wen der Rabe ruft (The Raven Cycle #1)" (Maggie Stiefvater)

Copyright Script5

Titel: Wen der Rabe ruft
Autor: Maggie Stiefvater
Genre: Fantasy
Verlag: Script5
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Hardcover (18,95€), E-Book
Seiten: 464
ISBN: 978-3-8390-0153-0
Jedes Jahr im April empfangen Blue und ihre Familie die Seelen derer, die bald sterben werden. Blue, die als Einzige nicht über die Fähigkeit zum Wahrsagen verfügt, konnte die Seelen bisher nur spüren, aber zu Gesicht hat sie sie nie bekommen. Doch dieses Jahr ist das anders: Plötzlich taucht vor ihren Augen der Geist eines Jungen in der Dunkelheit auf dem Kirchhof auf. Sein Erscheinen kann nur eins bedeuten: Blue ist diejenige, die für seinen baldigen Tod verantwortlich ist. Denn schon seit ihrer Kindheit weiß sie, dass sie mit einem Kuss ihre große Liebe umbringen wird. Deshalb hat sie bisher um Jungs einen großen Bogen gemacht. Was bisher problemlos funktioniert hat, wird nun eine echte Herausforderung: Gleich vier Jungs treten in ihr Leben - und einem von ihnen wird diese Bekanntschaft zum Verhängnis werden.
Optisch ist der Roman vielleicht nicht der Hingucker schlechthin, aber er hat doch Wiedererkenungswert.

Ich bin sehr lange um diesen Roman herumgeschlichen, was vor allem daran lag, dass die Inhaltsangabe nach einer schnulzigen Liebesgeschichte à la Romeo und Julia klang, nach einer tragischen Liebe, die nicht sein darf. Zu meiner großen Überraschung und Erleichterung ging es in diesem Reihenauftakt aber doch weitaus weniger romantisch und melodramatisch zu, als ich vermutet hatte. Natürlich wird Blues Prophezeiung, sie würde mit ihrem Kuss ihre große Liebe töten, immer wieder thematisiert - schließlich ist das der Aufhänger der Story. Eine leidende Protagonistin wird man hier aber nicht antreffen, auch wenn die ein oder andere pubertäre Hormonschwankung natürlich nicht ausbleibt. Blue ist (vor allem für jemanden aus einer Wahrsagerfamilie) ein äußerst bodenständiges Mädchen, mit klaren Prinzipien, sarkastischen Sprüchen und keinerlei Scheu davor, sich die Hände schmutzig zu machen. Damit hat sie die Jungs ziemlich gut im Griff, auch wenn sie sich innerlich gelegentlich unsicher fühlt. Ihre Ausstrahlung macht sie tatsächlich zu dem  (Zitat) "Starbucks-Tisch, an dem alle sitzen wollen" - auch die vier Raven-Jungs. Bis ich jedoch in den Genuss gekommen bin, das Quintett gemeinsam in Aktion zu erleben, hat es ein wenig gedauert. Allerdings mochte ich es, dass sich die Autorin Zeit genommen hat, erst die einzelnen Parteien (die Raven Boys einerseits, Blue und ihre Familie andererseits) unabhängig voneinander einzuführen und sie nicht schon auf den ersten Seiten miteinander zu konfrontieren. Dadurch hat sich die Story zwar etwas langsamer entfaltet, aber man konnte sich erstmal einen guten Überblick verschaffen und das spätere Verhalten der Charaktere im Einzelnen und in der Gruppe hat mehr Sinn gemacht, weil man ihre Macken, Denkweisen und im Groben auch ihre Hintergründe kannte. Alle sind etwas verschroben, ihre Wesen sind jedoch vollkommen unterschiedlich. Das hatte den Vorteil, dass für jede (Leser-)Vorliebe etwas dabei ist. Wie gesagt, Blue fand ich super, auch dem integeren Adam, dem großherzigen, aber etwas manischen Gansey und selbst dem unnahbaren Ronan konnte ich viel abgewinnen. Lediglich Noah konnte ich lange Zeit nicht ganz einordnen, da er mit Abstand die wenigsten Auftritte hatte und daher einige Fragen aufgeworfen. Ich hatte in der Beziehung die richtige Vermutung. 
Abgesehen davon war die Geschichte jeoch gespickt mit Überraschungen. Die Handlung war weitaus komplexer als vermutet, weil die unausweichliche Liebesgeschichte weitgehend von der anspruchsvollen Suche nach den magischen Ley-Linien und dem Grab von Glendower verdrängt wird. Das verleiht dem Geschehen deutlich mehr Spannung und Abwechslung und ich für meinen Teil habe mich bestens unterhalten gefühlt
Auch von Stiefvaters Schreibstil bin ich durchweg begeistert. Sie findet immer die richtigen Worte und passt ihr Tempo und ihren Ton (mal blumig, mal nüchtern) der jeweiligen Situation an. Durch kleine, fast beiläufig eingestreute Details zu den Figuren werden diese außerdem viel greifbarer und plastischer.

Zu meiner großen Erleichterung war der Auftakt der Reihe alles andere als eine pubertäre Liebesgeschichte mit Seifenoper-Charme, sondern konzentriert sich auf eine gut recherchierte, durchdachte, mystische Spurensuche mit kontrastreichen Charakteren, die durch Maggie Stiefvater wunderbar erzählt wird. Ich bin gespannt, wie die Autorin den Handlungsstrang weiterstricken wird.


2 Kommentare:

Book Blossom hat gesagt…

Hallo liebe Katha!

Um diese Reihe schleiche ich auch schon lange herum. :) Bisher habe ich von der Autorin nur "Nach dem Sommer" gelesen, welches mir zwar gut gefiel, jedoch sehr sehr ruhig geschrieben ist. Da muss man wirklich in der Laune zu sein, um das Tempo genießen zu können, finde ich. Wie mir scheint, behält sie das zum Teil bei. Aber ich bin definitiv neugierig, nachdem die Story so gut durchdacht sein soll. :D Da bin ich schon gespannt, was du zu den Folgebänden sagen wirst und wünsch dir jetzt schon viel Freude mit ihnen!

Liebste Grüße
Nina von BookBlossom

Katharina P. hat gesagt…

Hey Nina,
ich hatte vorher noch gar nichts von ihr gelesen, deshalb kann ich leider das Tempo nicht vergleichen. Für mich war es angenehm und ich war auch definitiv in der richtigen Stimmung dafür. Und ich denke, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Protagonisten haben viel dazu beigetragen, dass es mir gefallen hat. Bin auch gespannt, ob mir die Folgebände ebenso zusagen ^^

Liebe Grüße,
Katha

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