Dienstag, 2. Januar 2018

REZENSION: "Dein Leuchten" (Jay Asher)

© cbt


Titel: Dein Leuchten
Autor: Jay Asher
Genre: Jugendroman / Liebesroman
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 320
ISBN: 978-3-570-16479-2


Jedes Jahr verbringt Sierra die Weihnachtszeit in Kalifornien, um dort gemeinsam mit ihren Eltern die auf der Familienplantage in Oregon gezüchteten Weihnachtsbäume zu verkaufen. Jedes Mal ist der Aufbruch nach Kalifornien für Sierra bittersüß, denn einerseits lässt sie ihre beiden besten Freundinnen in Oregon zurück, andererseits jedoch liebt sie die Zeit in Kalifornien und freut sich darauf, ihre gute Freundin Heather zu sehen - denn mit ihr kann sie schließlich nur einen Monat im Jahr zusammensein. Dieses Jahr allerdings wird die Adventszeit noch einmal wesentlich aufregender für Sierra, denn auf dem Verkaufsplatz ihrer Eltern lernt sie den geheimnisvollen und unheimlich gutaussehenden Caleb kennen. Obwohl ihr Verstand sie davor warnt - denn schließlich wird sie in einem Monat (vielleicht für immer) wieder abreisen -, verliebt sich Sierra Hals über Kopf in Caleb. Den Jungen, der eine gewalttätige Vergangenheit hat...

Klar, das Cover ist kitschig - keine Frage. Und Gesichter in Nahaufnahme sind nicht unbedingt das Wahre. Es gefällt mir aber trotzdem ganz gut, weil es zum Genre, zur Geschichte und zu Weihnachten passt.

Nachdem mich Tote Mädchen lügen nicht alles andere als vom Hocker reißen konnte, steht Jay Asher bei mir eigentlich nicht besonders hoch im Kurs. Kitschige Weihnachtsromane gehen in der Adventszeit aber immer und deswegen habe ich Dein Leuchten eine Chance gegeben. Damit bleibt Asher dem Genre Young Adult treu, geht aber in eine wesentlich seichtere Richtung. Dein Leuchten ist weniger ernst und dafür um einiges romantischer und lockerer - auch wenn Asher versucht, durch Calebs Vergangenheit Konflikte zu schaffen. Warum das meiner Meinung nach nicht ganz funktioniert, lest ihr im Folgenden.

Aber erst einmal: Worum geht es eigentlich? Es geht um Sierra, ein junges Mädchen, das ihre Weihnachtszeit jedes Jahr aufs Neue auf dem familieneigenen Weihnachtsbaumverkaufsplatz in Kalifornien verbringt - in einem kleinen Wohnwagen, weit weg von ihren Freundinnen. Damit schafft Asher einerseits eine interessante Ausgangsposition, denn das ist wirklich mal etwas anderes. Er schildert Sierras Leben auf sehr interessante und spannende Art und Weise und man kommt nicht umhin, sich selbst als Weihnachtsbaumverkäufer vorzustellen. Andererseits ist einem von vornherein klar, worauf diese besondere Situation hinausläuft: Nämlich, dass Sierra einen Jungen kennenlernt, sich unsterblich verliebt und einen Monat später mit vermeintlich gebrochenem Herzen wieder abreißen muss.

Und Überraschung: Genauso kommt es. Sierra verguckt sich recht schnell in den attraktiven Caleb und auch er ist sofort angetan von dem Mädchen aus Oregon. Mir hat die Mischung aus Schüchternheit und Unkompliziertheit gefallen, mit der die beiden anfangs aufeinander zugehen und sich vorsichtig abtasten. Allerdings war mir das Ganze stellenweise einen Ticken zu unschuldig. Sierra hatte nach eigener Aussage bereits mehrere feste Freunde und auch Caleb ist sicherlich nicht ganz unerfahren und doch himmeln sich die beiden an wie zwei Zehnjährige und gefühlt eine Ewigkeit lang passiert gar nichts. Auch wenn das vielleicht ganz süß ist, wirkt es auf mich doch etwas unrealistisch. Das sind Teenager! Hormone und so! Keiner kann mir erzählen, dass die sich erst nach Wochen küssen. Geschweige denn nicht - ihr wisst schon!

Ganz so unschuldig ist die Beziehung zwischen den beiden aber doch nicht, denn um Caleb ranken sich merkwürdige Gerüchte - er soll seine Schwester mit einem Messer angegriffen haben. Seitdem stempelt ihn die ganze Stadt (einschließlich Sierras Freundin Heather und ihre Eltern) als gefährlichen Kriminellen ab, während sich Caleb alle Mühe gibt, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und seine Tat wiedergutzumachen. Bewundernswert fand ich, dass Sierra sich nicht direkt von den Gerüchten abschrecken lässt, sondern sich ein eigenes Bild von Caleb macht, Vertrauen aufbaut und ihm später auch die ganze Geschichte entlockt. Hier bilden die beiden eine Einheit, tun sich gegenseitig gut. Sierra will Caleb dabei helfen, sich selbst zu verzeihen und kämpft auch vor ihren Eltern wie eine Löwin für ihn.

Diese eine Tat aus Calebs Vergangenheit zieht sich durch die gesamte Handlung und manchmal war ich davon doch etwas genervt. Auf der einen Seite zeigt Asher eindringlich, was die Gerüchteküche in einer Kleinstadt mit der labilen Psyche eines Teenagers anrichten kann. Andererseits jedoch wird mir das Ganze hier und das zu sehr hochgepusht. Sobald man weiß, worum es eigentlich wirklich geht, kann man die ein oder andere Reaktion der Einwohner und auch von Caleb nicht mehr ganz nachvollziehen. Auch Heather scheint Sierra keine große Hilfe zu sein und mir ging sie regelrecht auf den Geist mit ihrem Verhalten, vor allem was ihren eigenen Freund anging.

Ansonsten aber punktet Dein Leuchten mit einem interessanten Setting, zwei sympathischen Protagonisten und weitgehend witzigen und originellen Dialogen. Die Lovestory ist natürlich etwas abgedroschen - ich meine: Braves, von ihren Eltern in Watte gepacktes Mädchen verliebt sich in den vermeintlichen Bad Boy der Stadt + großes Drama um drohende Fernbeziehung. Aber so what, in die Weihnachtszeit passt eine solch seichte, aber herzerwärmende Geschichte schließlich perfekt.

Ein großer Freund von Jay Asher bin ich immer noch nicht. Dein Leuchten ist stellenweise ziemlich abgedroschen, vorhersehbar und unrealistisch. Aber es hat auch seine guten Seite: Süße Charaktere, zwischen denen die Chemie einfach stimmt, originelle Dialoge und eine interessante Ausgangssituation. Ein seichter Jugendroman - perfekt für die romantische Weihnachtszeit und die Tage danach.



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