Mittwoch, 31. Januar 2018

REZENSION: "Was die Spiegel wissen (Raven Cycle #3)" (Maggie Stiefvater)

Copyright Script5


Titel: Was die Spiegel wissen
Autor: Maggie Stiefvater
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: Script5
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hardcover (18,95€), E-Book
Seiten: 444
ISBN: 978-3-7855-8330-2
"Glendower ist unter der Erde. Und ich auch." Diese Worte sind alles, was Blues Mutter hinterlassen hat, bevor sie verschwunden ist. Keiner weiß so recht, was das zu bedeuten hat, was Blue umso mehr beunruhigt. Die Suche nach Glendowers Grab ist für sie daher eine willkommene Ablenkung. Allmählich gehen ihnen allerdins die Hinweise aus - bis Adam eine Vision von drei schlafenden Gestalten hat, die im magischen Wald Cabeswater verborgen liegen. Eine von ihnen darf unter keinen Umständen geweckt werden? Nur welche? Und was geschieht, wenn die falsche Person erwacht?


Im Prinzip hat sich an meiner Meinung nichts geändert: Das durchgängige Konzept hat Wiedererkennungswert, sodass ich das Buch sofort einordnen kann.

Im Gegensatz zu den bisherigen Bänden, war mein Start in die Geschichte etwas holprig. Ich kam nicht wirklich in die Handlung rein, weil ich aufgrund der kryptischen Formulierungen ein wenig verwirrt war. Erst nach und nach hat jedes Puzzleteil an seinen Platz gefunden, sodass es ein paar Kapitel gedauert hat, bis sich meine übliche Begeisterung eingestellt hat. Trotzdem bleibt es lange Zeit relativ ereignislos. Allerdings war das nicht überraschend, weil Maggie Stiefvater sich eben gerne Zeit zum Entfalten der Geschichte nimmt. Ab der zweiten Hälfte steigt dann aber die Spannungskurve exponentiell an. Gansey, Blue und Co. kommen endlich ein ganzes Stück bei ihrer Suche nach Glendower voran (ich hatte das Gefühl, davor ging es nicht merklich voran), stoßen dabei aber wieder auf jede Menge Hürden, Gefahren und neue Widersacher. Ich wurde nicht sagen, dass meine Nerven zum Zerreißen gespannt waren, aber langweilig war es auf jeden Fall nicht. Dank des Cliffhangers habe ich auch extreme Lust weiterzulesen. 
Über die Charaktere wiederum kann ich mich nur positiv äußern. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich liebe die Dynamik der Gruppe, ihre Diversität und gleichzeitige Balance zwischen ihren Persönlichkeiten und Fähigkeiten (btw ist mir aufgefallen, dass Gansey der Einzige ist, der nicht magisch begabt ist?!). Egal, ob sie gerade streiten, sich gegenseitig aufziehen oder füreinander da sind (Stichwort Gerichtsszene), es ist immer toll, ihnen dabei “zuzusehen“. Blue ist natürlich immer noch der Leim, der alles zusammenhält, bzw. die Person, die die Jungs mal zurechtweist, wenn sie sich daneben benehmen. Dafür und für ihren Sarkasmus, mit dem sie gelegentlich ihr weiches Herz überspielt, liebe ich sie einfach.
Gansey und Ronan sind weiterhin meine "Lieblingsraben", aber Adam holt allmählich wieder auf. Er hat mich deutlich weniger aufgeregt als im zweiten Band, weil er sich und seine Wutausbrüche langsam unter Kontrolle bekommt. Auch Noah ist ein wenig präsenter als zuvor, trotzdem bleibt er weit hinter den anderen zurück, da er wesentlich oberflächlicher dargestellt wird. Meine Vorbehalte gegenüber Mr. Gray, den ich in Band 2 noch skeptisch beäugt habe, habe ich nun über Bord geworfen. Mir wäre es allerdings lieber, wenn ich seinen wahren Namen kennen würde. Ich finde es einfach merkwürdig, dass er immerzu als "Mr. Gray" bezeichnet wird. Insgesamt ist es Stiefvater also gelungen, meine Sympathiegefühle fürr die einzelnen Figuren zu verstärken. Selbst die Antagonisten sind so menschlich gestaltet, dass ich fast kein Mitleid mit ihnen habe.
Was ich prinzipiell an Stiefvaters Darstellung sozialer Interaktion liebe, ist ihr Verzicht auf hochdramatische Gesten und wortgewaltige, gekünstelte Dia- und Monologe. Außerdem finde ich ihr subtiles Vorgehen sehr angenehm. Ihre Sätze sind gespickt mit kleinen, mehr oder weniger feinen Andeutungen, sodass man wieder sehr viel zwischen den Zeilen lesen muss. Dadurch, dass so Vieles ungesagt bleibt, ist man auf seine Fantasie angewiesen. Aus irgendeinem Grund erscheinen mir durch die weniger offensichtlich formulierten Passagen die Gefühle weniger oberflächlich zu sein. Sie lösen bei mir immer so ein freudiges Kribbeln aus - auch wenn ich hin und wieder gerne etwas Konkretes hätte, an dem ich mich festhalten kann. Wenn im finalen Band weiterhin nicht Tacheles gesprochen wird, werde ich wahrscheinlich sehr, sehr ungehalten.

Wie die anderen Teile zuvor war auch dieser Band sehr lesenswert, auch wenn er mich nicht von Anfang an packen konnte. Das große Ganze passt aber soweit und in Bezug auf die Charakterentwicklungen bin ich sehr zufrieden. Für das Finale bin ich sehr zuversichtlich!



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