Mittwoch, 7. Februar 2018

REZENSION: “Die Königin der Schatten - Verbannt #3“ (Erika Johansen)

Copyright Heyne


Titel: Die Königin der Schatten - Verbannt
Autor: Erika Johansen
Genre: Fantasy
Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur (14,99€), E-Book
Seiten: 603
ISBN: 978-3-453-31588-4
Wie könnte eine Königin besser die Liebe zu ihrem Volk demonstrieren, als damit, sich in die Hände ihrer größten Feindin begeben, um ihre Untertanen zu schützen? Genau das hat Kelsea Glynn hat für Tearling getan. Mitsamt ihrer wertvollen, magischen Saphire hat sie sich in die Hände der Roten Königin begeben. Sollte es ihr gelingen, sich deren Magie zu bemächtigen, ist ganz Tearling dem Untergang geweiht. Während Kelsea sich in Gefangenschaft befindet, arbeitet Mace fieberhaft an einem Plan, um sie zu befreien. Die Zeit drängt, denn Mortmesne ist nicht die einzige Gefahr, die ihnen im Nacken sitzt. Etwas Dunkles treibt sich im Land herumund nur Kelsea hat die Macht, es zu vernichten.


Optisch gefällt mir der Band eigentlich ganz gut, Band 2 war allerdings etwas mehr nach meinem Geschmack. Es gibt Reihen, die deutlich stärker ins Auge stechen, aber das würde meiner Meinung nach gar nicht so gut zur Story passen.

So viel gleich vorweg: Der letzte Band der Tearling-Reihe war jede einzelne Minute wert, die ich fürs Lesen investiert habe, denn er hatte alle Zutaten, die ein Finale braucht, und noch mehr. Allgemein ist die Reihe nicht nur wunderbar atmosphärisch geschrieben, sondern verknüpft auch an sich bekannte Motive auf eine neuartige Art und Weise, sodass sich die Geschichte von anderen abhebt. Allein die Tatsache, dass man miterlebt, wie eine utopische Welt aufgebaut werden soll, ist für mich bis dato ein völlig neuer (oder zumindest selten gesehener) Ansatz gewesen. In Band 2 hatte ich mich noch etwas schwer getan mit diesen merkwürdigen Zeitsprüngen, weil mein Gehirn einfach nich prozessieren konnte, dass das gegenwärtige Geschehen so viel rückschrittlicher war als die Vergangenheit. Das Problem hatte ich diesmal gar nicht. Ich fand die Aufarbeitung der Geschichte von Tearling wahnsinnig interessant, denn endlich hat alles einen Sinn ergeben. Mir hat einfach gefallen, wie die Autorin nach und nach die Kausalzusammenhänge offengelegt hat, die sie zweifelsfrei von Anfang an im Kopf hatte. Es gab also eine ganze Menge zu verarbeiten.
Noch dazu war die Handlung spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Es gab jede Menge dramatische Highlight, individuelle Probleme, die es zu lösen galt, gefährliche Situationen und unerwartete Wendungen. Langeweile war mir beim Lesen ein Fremdwort!
In Bezug auf die Figuren ist meine Euphorie ein klein wenig verhaltener. Ich bin zwar überglücklich, dass erstens nahezu alle Charaktere einen Auftritt im letzten Band haben, zweitens, Kelsea nach dem kleinen Tief im zweiten Teil endlich wieder die Stärke, Selbstherrschung und Cleverness an den Tag gelegt hat, die ich von ihr gewohnt bin, und drittens, dass das innige Verhältnis zwischen Kelsea und Mace weiterhin bestehen blieb, was mir jedes Mals das Herz aufgehen ließ. Aber ich bin nicht ganz so zufrieden damit, was Johansen mit einigen Figuren gemacht hat. Retrospektiv betrachtet, stellt sich mir bei ein paar von ihnen die Frage, warum sie überhaupt in die Geschichte eingeführt bzw. warum ihre Sichtweise geschildert wurde, wenn sie im Großen und Ganzen nichts übermäßig Überwältigendes geleistet haben. Manche wurden meiner Meinung nach auch schändlich vernachlässigt, insbesondere Pen, Pater Tyler und zum Teil auch Aisa. (Apropos Aisa: Bin ich die Einzige, die bei ihr immer an Arya Starck denken muss?) In Anbetracht dessen hab ich ein bisschen die Vermutung, dass sich Johansen selbst noch nicht ganz sicher war, wie sie ihre Reihe abschließen will, und sich daher mehrere Optionen offen gelassen hat.
Und dann das Ende... Ich weiß nicht, wie ich mich im Bezug auf das Ende fühlen soll. Erleichtert? Traurig? Enttäuscht? Wütend? Frustriert? Irgendwie ist es alles auf einmal und gleichzeitig nichts davon. Vielleicht trifft es "überwältigt" am besten. Ich bin überwältigt von Gefühlen, positive wie negative. Es war nicht im Entferntesten das Ende, das ich erwartet hätte. Im Grunde ist das gut, aber ich hätte es bevorzugt, wenn zumindest irgendetwas von dem, was ich mir erhofft hatte, eingetroffen wäre. Ich fühle mich ein wenig betrogen und doch würde ich die Reihe noch einmal lesen wollen.

Der Fehler einer Utopie ist die Annahme, dass wir alle perfekt sind. Perfektion mag die Definition sein, doch wir sind Menschen und bringen in eine Utopie unseren Schmerz, unsere Eifersucht, unsere Trauer. Wir können unsere Fehler nicht abstreifen, selbst in der Hoffnung auf das Paradies. Eine neue Gesellschaft zu entwerfen, ohne die menschliche Natur miteinzuberechnen, verdammt diese zum Scheitern. - Die Worte der Glynn-Königin, zusammengestellt von Pater Tyler“ (S. 197)

Dieses Finale hatte es wirklich in sich. Es war spannungsgeladen, etwas brutal, aufschlussreich und aufwühlend. Auch wenn das Ende in keinster Weise so war, wie ich es mir vorgestellt oder gewünscht hätte, hat es bei mir doch eine ganze Menge unterschiedlicher Gefühle ausgelöst. Allein deswegen hat es die volle Bewertung verdient, denn es passiert sehr selten, dass ich von meinen Emotionen überrollt werde.


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