Sonntag, 11. Februar 2018

REZENSION: "Rebell #1 - Gläserner Zorn" (Mirjam H. Hüberli)

© Drachenmond Verlag


Titel: Rebell #1 - Gläserner Zorn
Autor: Mirjam H. Hüberli
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: Drachenmond Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (12,90 €)
Seiten: 260
ISBN: 978-3-95991-715-5



Willow war schon immer irgendwie anders, denn in den Augen anderer Menschen kann sie das Spiegelbild der jeweiligen Person sehen. Sie hat keine Ahnung, was das zu bedeuten hat, hat sich aber mit ihrer "Gabe" abgefunden und führt nun als Studentin ein halbwegs normales Leben. Doch das ändert sich schlagartig: Im einen Moment freut sich Willow noch auf das langersehnte Date mit ihrem Schwarm Noah und im anderen bricht die Welt über ihr zusammen. Nun muss Willow alles daran setzen, um Noah zu retten...

Das Cover finde ich toll, denn durch das Zusammenspiel der Farben und den großen, reich verzierten Spiegel wirkt es fantasievoll, märchenhaft und ein bisschen mysteriös. Auf jeden Fall ein Hingucker im Bücherregal.

Langsam aber sicher wage ich mich auch an das ein oder andere Fantasybuch aus dem Drachenmond Verlag und an der Rebell-Reihe von Mirjam H. Hüberli konnte ich aus mehreren Gründen nicht vorbeigehen. Das tolle Cover, der rätselhafte Klappentext, all die positiven Meinungen - ich war einfach super neugierig auf die Geschichte. Und ich würde gerne auch Jubelschreie ausstoßen und mit verliebten Herz-Emojis um mich werfen, weil ich Mirjam Hüberli super super lieb finde und ihren Schreibstil wirklich sehr mag. Sie hat einen leichten, locker-amüsanten Stil mit einer sehr eigenen Note, was mir richtig gut gefällt. Der Lesefluss hat also schon einmal gestimmt ... aber so richtig meinen Geschmack wollte die Geschichte um Willow einfach nicht treffen.

Warum nicht? Zunächst beginnt Rebell - Gläserner Zorn sehr, sehr, sehr gemächlich, was mich gleich zu Anfang irritiert hat, denn das Buch ist insgesamt eher kompakt und ich habe mich gefragt, wie viel Raum denn schließlich die eigentliche Handlung einnehmen soll. Leider nicht sehr viel. Denn die Geschichte um Willow beginnt als typische Teenie-Lovestory - Hüberli verwendet sehr viel Zeit beziehungsweise Seiten darauf, Willows Schwärmerei für den hübschen Noah zu erörtern und geht auch beim ersten großen Date der beiden stark ins Detail. Dabei fallen aber Dinge, die ich für wichtig gehalten hätte, hinten runter. Über die Charakter beispielsweise erfährt man insgesamt sehr wenig - wer ist Willow eigentlich? Wer ist ihre beste Freundin Sam? Und wer ist eigentlich Noah? Die Figuren werde hauptsächlich äußerlich beschrieben, bleiben ansonsten aber eher blass.

Versteht mich nicht falsch - es ist nicht so, dass ich mich beim Lesen der ersten 150 durchgehend gelangweilt hätte. Aber im Kontext der gesamten Geschichte ist die Einführung einfach eine ganze Ecke zu mächtig und leider auch zu belanglos geraten. Denn ehe dann wirklich einmal etwas passiert, vergeht eine ganze Menge Zeit und man hat bereits mehr als die Hälfte gelesen. Dann gibt es einen wirklich spannenden Ortswechsel und mit dem mysteriösen Bo auch endlich mal einen komplexeren, interessanteren und vor allem undurchsichtigen Charakter. Willows Interaktion mit Bo wirkte auf mich allerdings hier und da etwas holprig und wenig authentisch. Denn ernsthaft - wenn dich ein sehr, sehr, sehr geheimnisvoller Typ anquatscht (mehr gehe ich hier nicht ins Detail) und dich davon überzeugen will, mit dir zu kommen, ohne dir auch nur den Hauch eines Grundes dafür zu nennen, was tust du? Genau, du nimmst die Beine in die Hand und verdünnisierst dich.

Generell hatte ich den Eindruck, dass einfach eine Fülle an Informationen fehlt. Klar, wie bei den meisten Geschichten bekommt man diese häppchenweise hingeworfen. Aber gefühlt tappen sowohl der Leser als auch Willow als Protagonistin bis zum Ende im Dunkeln, sodass sich der erste Teil der Trilogie nicht wie ein erster Band, sondern wie ein extrem aufgeblähter Prolog für Teil 2 anfühlt. Eine Ausgangssituation. Das hat mich ziemlich enttäuscht, denn als eigenständiger Roman kann Rebell - Gläserner Zorn zumindest mich deshalb so gar nicht überzeugen. Es gibt durchaus interessante Ideen und das Worldbuilding für die Spiegelwelt, in die es Willow im Lauf der Geschichte verschlägt, ist im Ansatz wirklich interessant und hat garantiert Potenzial. Aber auch hier kratzt Hüberli lediglich an der Oberfläche und da auch die Handlung selbst wenig überrascht oder in Atem hält, war ich am Ende wirklich enttäuscht.

Obwohl Rebell - Gläserner Zorn durchaus das Potenzial zum rasanten Fantasyroman hat, war mir die Geschichte insgesamt einfach nicht rund genug. Leser und Protagonistin werden einfach viel zu sehr im Dunkeln gelassen, sodass man am Ende wenig mehr weiß als am Anfang. Hier stimmte mir das Verhältnis überhaupt nicht. Man hat einfach das Gefühl, beim Lesen kein Stückchen weitergekommen zu sein. Ein weiterer negativer Effekt: Die Figuren bleiben relativ blass, ebenso wie die fremde Welt hinter den Spiegeln und einfach die Geschichte insgesamt. Deswegen war Rebell - Gläserner Zorn leider gar nichts für mich - es hat mich weder erreicht noch mitgerissen oder großartig unterhalten. Die Geschichte war okay, mehr aber leider wirklich nicht.

Nach Sarah Adlers Knochenjob konnte mich auch dieser Drache überhaupt gar nicht überzeugen. Die Handlung wirkt unausgewogen, kommt nur sehr schleppend in Gang und überrascht wenig bis gar nicht. Gestört hat mich aber vor allem das Fehlen von Informationen, denn am Ende steht man wie Willow selbst genauso ratlos wie am Anfang da und hat immer noch nicht den blassesten Schimmer, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Das verdirbt mir ein wenig die Lust auf Teil 2 und 3, obwohl es durchaus spannende Ideen und Ansätze gibt, die mein Interesse an der Geschichte geweckt haben. Ich muss wohl noch einmal in mich gehen, um herauszufinden, ob ich diese Trilogie weiter lesen möchte. Denn Band 1 war leider gar nichts für mich :/



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