Dienstag, 6. Februar 2018

REZENSION: "Wir zwei in neuen Welten" (Ventura-Saga #2) (Kate Ling)

© one (Bastei Lübbe)

Titel: Wir zwei in neuen Welten - Ventura-Saga Band 2
Autor: Kate Ling
Genre: Science Fiction / Fantasy / Jugendroman
Verlag: one (Bastei Lübbe)
Erscheinungsjahr: 2018
Format: Hardcover (17,00 €)
Seiten: 349
ISBN: 978-3-8466-0063-4


Nach ihrer Flucht von der Ventura machen sich Seren und Dom gemeinsam mit Ezra und Mariana daran, die fremde Welt von Huxley-3 zu erkunden. Zum ersten Mal befinden sie sich außerhalb eines Raumschiffes, spüren den Wind und die Sonne auf der Haut und können die einzigartige Natur um sich herum genießen. Doch schon bald entpuppt sich das Leben auf Huxley-3 als echte Herausforderung, denn nicht nur die Nahrungssuche stellt sich allmählich als schwierig heraus. Und immer wieder stellen sich Seren, Dom, Ezra und Mariana die Frage, ob es auf diesem Planeten nicht doch anderes Leben gibt? Gleichzeitig muss Seren feststellen, dass ihre Beziehung mit Dom in der echten Welt so viel komplizierter ist und so kämpft sie nicht nur um ihr Leben, sondern auch um ihre große Liebe...

Das Cover ist im gleichen Stil gestaltet wie das zu Band 1 und grundsätzlich gefällt mir das ziemlich gut. Insgesamt aber ist es mir zu pastellig, zu funkelnd, zu kitschig. Da hätte man ruhig einen Gang zurückschalten können.

Entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung fand ich Kate Lings Romandebüt Wir zwei in fremden Galaxien letztes Jahr wirklich cool. Ich fand diese verfahrene, einzigartige Situation auf der Ventura faszinierend und habe gemeinsam mit Seren und Dom der Lösung ihrer Probleme entgegengefiebert. Die war am Ende: die Flucht von der Ventura. Zusammen mit Mariana und Ezra sind die beiden auf dem fremden Planeten Huxley-3 gelandet und genau hier setzt Kate Ling die Geschichte in Wir zwei in neuen Welten fort. Zunächst einmal recht unspektakulär, denn das Vierergespann muss sich zuallererst auf dem Planeten zurechtfinden, was eine besondere Situation ist. Keiner von ihnen musste je Nahrung beschaffen oder war gar dem Wetter ausgesetzt.

Die Ausgangssituation hört sich letztlich spannender an, als sie es ist. Denn so fasziniert Seren, Dom und Co. auch von der atemberaubenden Natur, der Möglichkeit, schwimmen zu gehen, und dem Geschmack köstlicher Früchte sind - als Leser ist man es nicht. Schließlich kennt man das alles und Ling gelingt es hier nicht so recht, die Gefühle ihrer Protagonistin zu transportieren. Ein wenig mag das auch am Worldbuilding liegen, denn obwohl Huxley-3 durchaus seine Eigenheiten hat (fluoreszierende Seesterne und leuchtende Riffs zum Beispiel) ähnelt der Planet der Erde ungemein. Die spannende Entdeckungsreise erleben somit nur Seren, Dom, Ezra und Mari - der Leser nicht. Hier hätte ich einfach etwas mehr erwartet, denn wenn man schon die Chance hat, sich einen vollkommen neuen Planeten mit allem drum und dran auszudenken, warum nutzt man sie dann nicht?

Für Seren und ihre Freunde hält Huxley-3 allerdings doch ein paar Überraschungen bereit und so kommt die Handlung nach der zähen Anfangsphase noch ordentlich in Schwung. Hier möchte ich natürlich nicht zu viel verraten, aber es gibt einige unerwartete Wendungen und Begegnungen und ein paar der Rätsel, die die Ventura dem Leser und den Charakteren mit auf den Weg gegeben hat, werden gelöst. Am spannendsten fand ich tatsächlich die Charakterentwicklung, denn in Freiheit und ohne das starre Regelgerüst der Ventura handeln Seren, Dom, Ezra und Mari ganz anders - sie haben andere Probleme zu lösen, sehen sich mit anderen Herausforderungen konfrontiert und bewerten auch sich selbst ganz anders. Auch wenn zumindest mir die bedrückende Atmosphäre und das interessante Setting der Ventura ein wenig gefehlt haben, weiß die Geschichte so dennoch über weite Strecken zu überzeugen.

Größter Schwachpunkt des Romans ist allerdings Seren. Klar muss man sich vor Augen halten, dass sie ein Teenager und vermutlich mit der neuen Situation vollkommen überfordert ist. Aber mit ihrer unvernünftigen, sturen Art empfand ich sie eigentlich fast durchgehend als ziemlich nervtötend. Teilweise ändert sie ihre Meinung so rasant, dass man gar nicht mehr hinter her kommt. Ganz zu schweigen von Dom, der mir einfach nur leid tat. Besonders das ein oder andere Eifersuchtsdrama hat mich ziemlich zermürbt. Nicht nur, weil es so unnötig und belanglos war, sondern auch, weil es der Handlung einen guten Teil Tiefe und Spannung nimmt. Ich hoffe inständig, dass das Leben auf Huxley-3 Seren noch verändert und dass ich ihre Handlungen in Teil 3 wieder besser nachvollziehen kann.

Ich will gar nicht alles schlecht reden: Alles in allem ist Wir zwei in neuen Welten ein solider Jugendroman mit einem Ticken Science Fiction und ganz viel Romantik. Aber es ist eben nicht die spannende, mitreißende Fortsetzung, die ich erwartet hatte. Nichtsdestotrotz ist der Grundstein für ein packendes Finale gelegt und ich hoffe, dass Kate Ling für Band 3 noch einmal ordentlich Fahrt aufnimmt.

Wir zwei in neuen Welten ist ein etwas schwächelnder Mittelteil mit einigen Längen, bei dem meiner Meinung nach Potenzial verschenkt wurde. Mit Seren war ich großteils gar nicht zufrieden, die anderen Charaktere haben sich dafür großartig entwickelt und mich letztlich überzeugt. Die Geschichte liest sich trotz einiger Startschwierigkeiten schnell durch und weiß durch überraschende Wendungen und originelle Handlungselemente zu unterhalten. Ich hoffe allerdings auf einen wieder stärkeren dritten Teil.



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